Die totale Vernetzung: Das Internet der Dinge

Netzwerk, Quelle: flickr/andybientHeute las ich einen t3n-Artikel, der mich zum Nachdenken brachte. Der Artikel handelt von einer Präsentation des diesjährigen Web 2.0 Summit in San Francisco, in der Kirk Skaugen, Vize-President der Intel Architecture Group, Zahlen zu den weltweit mit dem Internet verbundenen Geräten vorlegte: 4.000.000.000 – vier Milliarden. So viele Geräte seien heutzutage mit dem Internet verbunden. „Wahnsinn“, dachte ich mir, „bei knapp sieben Milliarden Menschen auf der Erde eine beeindruckende Zahl.“ (Anmerkung: die Sieben-Milliarden-Grenze soll Berechnungen zufolge am 31. Oktober 2011 überschritten werden.) Doch vier Milliarden sind noch gar nichts im Vergleich zu dem was noch kommen soll.

Laut Kirk Skaugen sollen nämlich schon im Jahr 2015 bis zu 15 Milliarden Geräte online sein. Noch schwerer vorstellbar die Prognose für 2020, in der von unglaublichen 50 Milliarden Geräten die Rede ist, die online und mit dem Internet verbunden sind. 50 Milliarden, das muss man sich erstmal vorstellen. Damit käme im Jahr 2020 jeder Mensch durchschnittlich auf sechs bis sieben mit dem Internet verbundenen Geräte, geht man von einer prognostizierten Weltbevölkerung von 7,6 Milliarden aus. Rechnet man Kleinkinder, Ältere und Technikverweigerer weg, dann steigt diese Zahl nochmal. Damit werden 2020 wohl pro Erdenbürger 12-15 Onlinegeräte kommen.

Doch wie kann ich noch mehr online sein? Ich bin jetzt schon permanent online. Zuhause am Computer, unterwegs via Smartphone und Subnotebook. Online 24/7, schon im Jahr 2011.

In den nächsten Jahren wird sich diese permanente Verbindung zum Internet noch weiter steigern. Und zwar erheblich. Jedoch anders, als wir es heute gewohnt sind. Heute sitzen wir vor dem Computer oder sind via Smartphone online. Man ist bewusst online. Mit Geräten, bei denen man es gewohnt ist, online zu sein.

Zukünftig wird sich das jedoch ändern. Das Internet wird sich noch stärker als bisher in den Alltag drängen. Mit Geräten, denen wir heute noch nicht zutrauen, dass sie mit dem Internet verbunden sein werden. In Zukunft wird man nur noch teilweise bewusst online gehen. Alles rund um einen selbst ist online und miteinander vernetzt, zum alleinigen Zweck, den Menschen zu unterstüzten und Entscheidungen abzunehmen. Völlig unbewusst. Das Internet der Dinge ist nur einen kleinen Schritt von uns entfernt. Wenn wir uns nicht sogar schon mittendrin befinden.

Ich frage mich: Wie können Menschen durch diese permanente Rechnerunterstützung überhaupt noch selbst Entscheidungen treffen? Ist so das Heranwachsen einer verantwortungsbewusst und selbstständig handelnden Persönlichkeit überhaupt möglich? Wird uns so nicht auch ein Teil unserer Menschlichkeit genommen, wenn wir nicht mehr selbst Entscheidungen treffen können/dürfen/werden?

Fragen, auf die ich momentan noch keine Antworten weiß.

Klar ist jedoch, dass in Zukunft in Teilen der Gesellschaft eine umfassendere Vernetzung notwendig sein wird. Ein gutes Beispiel dafür sind Smarter Cities, die komplexe Verkehrs-, Verwaltungs- oder Energieprozesse intelligent steuern. Ohne diese intelligente Steuerung wird es aufgrund des Bevölkerungswachstums in Städten ziemlich ungemütlich werden. Die steigende Vernetzung ist also doch nicht so schlecht, sondern viel mehr notwendig, um unser Zusammenleben langfristig zu sichern.

Etwas Sorgen macht es mir jedoch, wenn diese allgegenwärtige Rechnerunterstützung auch in privaten Haushalten Einzug erhalten. Bereits heute sind wir so sehr von Technologie abhängig, dass ein Leben ohne Internet beinahe unmöglich erscheint. Was, wenn diese Abhängigkeit noch weiter ausgebaut wird? Laufen wir letzten Endes als digitale Zombies durch die reale Welt, gesteuert von uns ständig umgebenden Computern, die uns jegliche Entscheidungsfreiheit abnehmen? Oder wird alles ganz anders, und das Leben wird angenehmer, einfacher und planbarer, als es bisher ist? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.

Nachfolgend noch ein kurzes Video, das die Komplexität der Vorgänge sehr gut darstellt:


Was ist eure Meinung? Wie wird sich die noch weitere Vernetzung auf Gesellschaft oder den Menschen als Einzelperson auswirken? Überwiegen die positiven oder die negativen Aspekte?

8 Comments

  • 22. Oktober 2011 - 12:57 | Permalink

    Hallo zusammen!

    Die Frage, die ich mir dabei Stelle ist, wie lange es noch dauern wird, bis der Mensch mit all der Technik nicht mehr umgehen kann, er es nicht mehr verarbeiten kann – die Technik den Menschen einfach überfordert. Schon jetzt ist der Informationsüberfluss durch die Technik enorm und viele Burnouts sind unter anderem darauf zurückzuführen. Viele technische Geräte sind dazu gedacht, den Alltag zu erleichtern – aber die Summe der einzelnen Teile bewirkt möglicherweise genau das Gegenteil. Jedenfalls boomt die Outdoorbranche unter anderem aus diesem Grund in den letzten Jahren sehr stark – die Leute brauchen einfach den Ausgleich. Bin gespannt wie das weitergeht.

    lg TomRa

    • aussermayr
      24. Oktober 2011 - 10:13 | Permalink

      Hey TomRa,

      also ich denke, dass es nicht am Umgang mit der Technik scheitern wird. Die Technik wird in den letzten Jahren doch immer userfreundlicher gemacht, sodass auch Laien spielend damit umgehen können. Der Fokus auf Usability wird in den kommenden Jahren sicherlich weiterhin verstärkt.

      Beim Informationsüberfluss kann ich dir nur zustimmen. Merke es auch selber immer mehr, wie die ständige Flut an Informationen mich teilweise überfordert. Ich denke aber, dass in Zukunft auch bessere Filtermöglichkeiten entstehen werden, um dieser Flut an Daten und Informationen Herr zu werden.
      Und auch beim Informationsverhalten selbst wird und muss es Veränderungen geben, denn nicht jede neue Info ist auch für mich relevant. Man muss den Gedanken ablegen, etwas verpasst zu haben, wenn man mal z.B. einen Tag nicht auf Facebook geschaut hat. Das die Änderung dieser Verhaltensweise jedoch nicht einfach ist, kann ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen.

      Weiters kann ich den Drang zu Outdooraktivitäten nur bestätigen. Ausgleich ist und wird immer wichtiger.

      Liebe Grüße,
      Alex

  • 22. Oktober 2011 - 13:29 | Permalink

    Hi Alexander.

    Wieder einmal hast du gute Arbeit geleistet und einen guten Artikel abgeliefert. :)

    Nun zu meiner Meinung:

    Ich freue mich schon darauf. Ich denke das wird das leben und die Alltäglichen Dinge um einiges erleichtern und uns viele Tolle Neuerungen bringen.
    Sei es die Pizza welche ich dann ganz einfach über das Netz bestellen kann oder die viel einfacheren und schnelleren Behördenwege ohne lästiges anstellen und ewiges warten am Amt.
    Und nicht zu vergessen die Milch welche der Kühlschrank selbstständig nachbestellt wenn Sie zur Neige geht.

    Natürlich kann das nur einher mit Weltweit Gesetzlich geregelten Datenschutz und einem umsichtigen Umgang mit den Daten funktionieren.

    Seid Ihr auch meiner Meinung oder seht Ihr das anders?

    Liebe Grüße
    Markus

    • aussermayr
      24. Oktober 2011 - 10:19 | Permalink

      Hallo Markus,

      also die von dir beschriebenen Vorgänge sind ja jetzt schon zum Teil Realität. Einzig mein Kühlschrank kommuniziert noch nicht mit den Geschäften, aber auch das wird noch kommen. Behördengänge und Pizzabestellungen führe ich schon länger via Internet durch, was ich auch als sehr gutes Service empfinde. Wenn mein Haus jedoch selbstständig Bestellungen durchführt, dann finde ich das schon etwas gespenstisch. Ist aber wohl auch nur Gewohnheitssache. 😉

      Angelegenheiten rund um Datenschutz werden aber wieder ein ganz anderes Problem darstellen. Besonders wenn es in Richtung eines „weltweit“ geregelten Datenschutzes geht. Wenn es nicht mal auf nationaler Ebene möglich ist, einen vernünftigen Entschluss zu fassen, wie soll das dann erst auf internationaler und globaler Ebene funktionieren? Das wird wohl ein großer Brocken Arbeit, aber dennoch ein durchaus notwendiger.

      Liebe Grüße,
      Alex

  • Maax
    22. Oktober 2011 - 14:39 | Permalink

    Sehr guter Artikel,

    kurze Auflistung meiner Geräte hier rundum die mit dem Netz verbunden sind, oder zumindest online gehen könnten (also als Beispiel wie es möglich ist, dass so eine hohe Anzahl an Geräten mit dem Netz verbunden sein kann)

    – Mein Laptop (auf dem ich gerade schreibe)
    – Mein iPhone
    – mein Fernseher (Smart und so)
    – mein Netzwerkdrucker
    – die Wii

    jetzt könnten und werden ws in den nächsten jahren noch hinzu kommen:

    – iPad, oder sonstiger tab
    – Standrechner
    – Streamingfähige Soundanlange

    8 Geräte also pro Person ^^

    • aussermayr
      24. Oktober 2011 - 10:23 | Permalink

      Hallo Max,

      Vielen Dank, da hast du jetzt mal die Geräte aufgezählt, die ohnehin beinahe jeder Haushalt hat. In nicht allzu ferner Zukunft könnten diese Geräte aber Gesellschaft von deinem Kühlschrank, deiner Waage, deinem Strom- und Wasserzähler, deiner Heizung, deinem Auto (Elektroauto natürlich) etc. bekommen. Was hältst du dann davon? 😉

      Liebe Grüße,
      Alex

      • rayman1602
        24. Oktober 2011 - 10:44 | Permalink

        Gerade Autos finde ich in deiner Auflistung finde ich interessant, da durch die steigende Vernetzung des Individualverkehrs eine bessere Planbarkeit bzgl. Staus und Ampelschaltungen eintreten wird. Es wird in wenigen Jahrzenten meiner Meinung nach schon so sein, dass der Verkehr automatisch geregelt wird und man nur noch das Ziel eingibt und automatisch dort hin fährt.

        • aussermayr
          24. Oktober 2011 - 13:28 | Permalink

          Ja, das denke ich auch. Man wird nur noch einsteigen, die Adresse eingeben und auf „Autopilot“ drücken. Man wird dann zwar keinen Auto-Führerschein mehr brauchen, dafür einen Computer-Führerschein :) Bis dahin wirds aber dann doch noch einiges an Zeit brauchen. Ich schätze aber, dass wir das noch erleben werden. Und ja, ich stimme dir zu, dass die Planbarkeit dadurch verbessert wird bzw. verbessert werden MUSS, da die Straßen sonst noch weiter aus allen Nähten platzen.

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